AUFTISCHEN & VERTUSCHEN

Praktiken des (Un)Sichtbarmachens

Eine transdisziplinäre Tagung an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle am 28. und 29. Oktober 2021

Täglich erleben wir, dass uns jemand etwas weismachen will, dass etwas zum direkten Konsum oder als einfache Lösung serviert wird. Wir werden umworben und sollen verführt werden – sei es von der Werbung oder durch populistische Meinungsmache –, um uns eine bestimmte Interpretation der Dinge und Geschehnisse zu suggerieren. Solcherlei Aufgetischtes verschafft eine scheinbare Übersicht und beruhigt in seiner Zugänglichkeit, verstört aber auch in seiner Aufdringlichkeit.
Handlungen des Auftischens und Vertuschens korrelieren mit Praktiken des Sichtbar- und Unsichtbarmachens. Einerseits handelt es sich um Strategien der Manipulation. Andererseits lässt sich das Auftischen auch umdeuten zu Akten der Aufklärung, indem etwas aufgedeckt oder die Schichtungen in neuem Licht gezeigt werden.
Im Fokus der Tagung steht die Befragung der Wirksamkeit von Verhaltensweisen und Handlungen des Auftischens & Vertuschens, die sich janusköpfig in Literatur und Kunst, in Politik und Gesellschaft eingeschrieben haben. Dabei sollen aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven Strategien, Operationen und Praktiken der Suggestionen des Sichtbaren betrachtet und gemeinsam diskutiert werden.

Programm

Donnerstag, 28. Oktober 2021

13:30 ● Begrüßung

HINTER DEN ABSICHTEN. VOR DEN ERKENNTNISSEN

14:00 ● Einführung
Dr. Sara Burkhardt, Professorin für Didaktik der bildenden Kunst, BURG

14:10 ● Räume des (Un)Bestimmten. Kollektive Erkenntnisprozesse im Zusammenspiel unterschiedlicher Institutionen
Dr. Christine Heil, Professorin für Kunstdidaktik und Bildungswissenschaften, HBK Braunschweig

In forschenden Praktiken werden Relationen von bisherigem und neuem Wissen behauptet, hergestellt und verschoben. Das Spiel zwischen Bestimmtem und Ungewissem macht Dinge erst fraglich und provoziert Neugierde. Solche Räume des (Un)Bestimmten können gemeinsam mit Akteur*innen unterschiedlicher Institutionen zwischen und mit Kunst, Schule und Studium hergestellt werden. Jede Institution bringt Spielregeln des Verhaltens, Machtstrukturen, Wissensbestände und Sinngefüge mit sich. Welche Arten von Erkenntnis und Erfahrung kann entstehen und was davon ist dokumentierbar?

Dr. Christine Heil ist Professorin für Kunstdidaktik und Bildungswissenschaften an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Bildungsräume und deren empirische Erforschung, forschendes Lernen und Studieren, Institutionsentwicklung, Diskriminierungskritik und Konstruktion von Normalität.

15:05 Kunstpädagogik an den Rändern der Sichtbarkeit
Dr. Alexander Henschel, Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Kunst und visuelle Kultur der Universität Oldenburg

Kombinationen aus Kunst und Pädagogik, Vermittlung und Kunst werden in sozialen Räumen realisiert, die selten im Licht großer Aufmerksamkeit stehen. Dies gilt für das Fach Kunst in der Schule ebenso wie für pädagogische Arbeit im Kunstbetrieb. Diese Verhältnisse sind – insbesondere in Deutschland – institutionalisiert und lassen sich sozialhistorisch und logisch begründen. Wie sich aber zu dieser Tradition verhalten? Sollte es für Kunstpädagog*innen darum gehen, sich um Sichtbarkeit zu bemühen oder gilt es, den unbeachteten Raum für die eigene Agenda zu nutzen?

Dr. Alexander Henschel studierte Erziehungswissenschaft, Kunst, Kunstpädagogik und Philosophie in Halle (Saale) und Mannheim. Er promovierte im Rahmen des Doktoratsprogramms Art Education und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lektor an den Universitäten Bremen und Hildesheim, als Gastprofessor an der HFBK in Hamburg, derzeit als Lehrkraft für Kunstpädagogik und Kunstvermittlung an der Universität Oldenburg sowie als Lehrbeauftragter an der UdK in Berlin. Seine Forschung und Lehre richtet sich auf institutionelle Settings sowie sozialhistorische Perspektiven von Kunstpädagogik und Kunstvermittlung – Ausgangspunkt ist die Annahme unabschließbarer Komplexität der Verhältnisse zwischen Kunst, Pädagogik und Gesellschaft.

16:30(Un)sichtbare Zukünfte. Spekulative Explorationen im Noch-Nicht
Robert Hausmann Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Didaktik der bildenden Kunst, BURG

Eine (post-)pandemische Gegenwart zeigt die Unbestimmtheiten von Zukunft auf drastische Weise. Zukunftsbilder bröckeln, veränderte Konstellationen und neue Verwicklungen scheinen auf. Künstler*innen und transdisziplinäre Kollektive spekulieren, erkunden, testen: »How will we live together?« Der Beitrag knüpft an diese Frage der Architekturbiennale Venedig 2021 an und beleuchtet sie aus (kunst-)pädagogischer Perspektive: Wer ist »wir«? Wie lässt sich etwas erkunden, das noch nicht ist? Wie können kunstpädagogische Prozesse zu Explorationsräumen und Testzonen für Zukünfte werden?

Robert Hausmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für Didaktik der bildenden Kunst an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind: Zukunftsentwürfe aktueller Kunst, Updates für eine gegenwärtige Kunstpädagogik der Zukunft, Prototypen – kunstpädagogisches Handeln in einer Gegenwart der Digitalität, aktuelle Medienkultur und Bildungstheorien.

17:25  Von Zuwendung und Abwendung. Herausforderungen im Umgang mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der Institution Schule
Dr. Anja Besand Professorin für Didaktik der politischen Bildung, TU Dresden

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Geschichtsrevisionismus kommen auch in der Institution Schule vor. Lernende und Lehrende sind in der Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen nicht nur Opfer, sondern vielfach auch Täter*innen. Aber welche Mechanismen entscheiden darüber ob die Herausforderungen institutionell bearbeitet werden? Wann wenden wir uns den Problemen zu – und wann wenden wir uns ab – und warum?

Anja Besand, ist Professorin für Didaktik der politischen Bildung an der Technischen Universität Dresden und Direktorin der John Dewey Forschungsstelle für die Didaktik der Demokratie.

Freitag, 29. Oktober 2021

STRATEGIEN DES VERSCHLEIERNS UND ENTHÜLLENS

9:00 ● Einführung
Dr. Nike Bätzner Professorin für Kunstgeschichte, BURG

9:10 ● Abstraktion als Maske: Bildformen larvierter Angst – Munch, Kandinsky, Dix
Dr. Christiane Kruse Professorin für Kunstgeschichte, Muthesius Kunsthochschule Kiel

Der Vortrag geht von der Beobachtung aus, dass sich um 1900 Angst nicht mehr nur figurativ-gegenständlich, sondern in abstrakten Bildformen äußern kann. Munchs „Der Schrei“ ist eine zur Bildformel erstarrte Maske der Angst, ein inneres Spiegelbild und kein individuelles Gesicht. Die Maskenform erscheint in ihrer basalen, paradoxalen Form: sie verbirgt die äußere Gestalt, das Ich, um innere Angst zu zeigen. Kandinsky rechnet Angst zu den „niederen Gefühlen“ und entwirft eine abstrakte Utopie der Angstüberwindung. Dix schließlich findet als Kriegsteilnehmer in seinem Feldtagebuch eine abstrakte Formel der theoretischen Distanznahme vom Kriegsgeschehen. In dem Vortrag werden Bilder und Texte als „Larven der Angst“ in ihren Kontexten untersucht.

Dr. habil. Christiane Kruse, Professorin für Kunstgeschichte und Visuelle Kulturen an der Muthesius KH Kiel, war 2010/11 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin; 2002 erfolgte die Habilitation an der Universität Konstanz im SFB „Literatur und Anthropologie“ (Wozu Menschen malen. Historische Begründungen eines Bildmediums, München 2002; Forschungsschwerpunkte: Bild-Anthropologie, Rezeptionsästhetik und -theorie, Kunst und Bilder in historischen und zeitgenössischen kulturellen Kontexten und Praxen; Abstraktion und Angst um 1900. Neue Publikationen: Welterschaffung – Kunstvernichtung. Kunst in Zeiten der Bilder, Berlin 2020; Bildagenten. Historische und zeitgenössische Bildpraxen in globalen Kulturen, München 2021; Kunst an den Rändern. Wie aus Bildern und Objekten Kunst werden kann, hg. C. Kruse / A. Frye, Berlin und Boston 2021.

10:05 ● Staging Silence
Hans Op de Beeck Künstler, Brüssel

Hans Op de Beeck produces large installations, sculptures, films, drawings, paintings, photographs and texts. His work is a reflection on our complex society and the universal questions of meaning and mortality that resonate within it. He regards man as a being who stages the world around him in a tragi-comic way. Above all, Op de Beeck is keen to stimulate the viewers’ senses, and invite them to really experience the image. He seeks to create a form of visual fiction that delivers a moment of wonder and silence.
Over the past twenty years Op de Beeck realised numerous monumental ‘sensorial’ installations, in which he evoked what he describes as ‘visual fictions’: tactile deserted spaces as an empty set for the viewer to walk through or sit down in, sculpted havens for introspection. In many of his films though, in contrast with those depopulated spaces, he prominently depicts anonymous characters.

Hans Op de Beeck was born in Turnhout in 1969. He lives and works in Brussels, Belgium. Op de Beeck has shown his work extensively in solo and group exhibitions around the world. His work was invited for the Venice Biennale, Venice, IT; the Shanghai Biennale, Shanghai, CN; the Aichi Triennale, Aichi, JP; the Singapore Biennale, Singapore, SG; Art Summer University, Tate Modern, London, GB; the Kochi-Muziris Biennale, IN; Art Basel Miami Beach, US; Art Basel Unlimited, Basel, CH; Setouchi Triennale, Shodoshima, JP;and many other art events.

11:30 ● Louise Bourgeois’ Cells. Der intime Raum im Spannungsfeld von Zeigen und Verbergen
Charlotte Silbermann Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Kunstgeschichte, BURG

In der Literatur über Louise Bourgeois herrscht Einstimmigkeit darüber, dass es in den Arbeiten der Künstlerin um Geheimnisse geht. Aber werden diese nun gelüftet oder stehen wir vor verschlossenen Türen? Zeigt sich lediglich das berühmte Feigenblatt der Kunst, auf das Intime verweisend, es aber zugleich versteckend? Im Tagungsbeitrag sollen die künstlerischen Strategien der Ambivalenz von Zeigen und Verbergen im Kontext von Interieur und Rauminstallation am Beispiel von Louise Bourgeois’ Cells genauer betrachtet werden.

Charlotte Silbermann absolvierte 2015 ihren Master in Vergleichender Literatur- und Kunstwissenschaft an der Universität Potsdam. Von 2010 bis 2018 war sie als Kunstvermittlerin tätig. Nach dem Studium arbeitete sie als Studiomanagerin und schreibt seit 2014 als freie Autorin u.a. für Der Freitag und das Kunstmagazin Monopol. Seit 2019 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Kunstgeschichte an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und promoviert hier zum Thema Neuer Materialismus in den Bildenden Künsten.

12:25 ● Von vertikalen Hüllen zu horizontaler Entfaltung
Max Schwitalla Architekt, Berlin

Seitdem der Mensch die Höhlen verlassen hat, beruht die Produktion von Architektur meistens auf der Annahme, dass man Innenraum umhüllen soll. Was wäre, wenn wir – vor dem Hintergrund des drängenden globalen Bedarfs an urbaner Verdichtung im menschlichen Maßstab – stattdessen Außenräume ‚aushöhlen‘ würden? Dafür wäre der Fluss von Licht, Luft und Menschen als subtraktives Gestaltungsprinzip geeignet.

Max Schwitalla, geb. 1980, Architekturstudium 2000-2006 an der Universität Stuttgart und ETH Zürich mit Abschluss Dipl. Arch. ETH. / Master of Science ETH. 2004-2005 Mitarbeit bei Rem Koolhaas/OMA in Rotterdam und NYC. 2007–2011 Freier Mitarbeiter bei GRAFT in L.A. und Berlin sowie bei HENN, Berlin als Entwurfsarchitekt u.a. verantwortlich für Großprojekte in China. 2012 Gründung Studio Schwitalla in Berlin mit dem Design- und Forschungsschwerpunkt zukünftige urbane Mobilität und Stadtentwicklung. Kooperationen mit Forschungspartnern und Mobilitätsexperten wie Schindler Aufzüge, Ebikon; Audi, Ingolstadt; e.GO Mobile, Aachen und Fraunhofer IAO/CERRI, Berlin. Internationale Vortragstätigkeit, Workshops, Publikationen sowie Entwicklung von Dome-Filmen.

13:30  Mittagspause

VERHEIMLICHEN UND VERBERGEN. MANÖVER DER ABLENKUNG

14:30 ● Einführung
Dr. Mirjam Schaub Professorin für Philosophie, BURG

14:40 ● Diderot und die Kunst der Mystifikation
Dr. Robert Fajen Professor für Romanistik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die französischen philosophes der Aufklärung sind Meister der Verstellung, der unmerklichen Ablenkungsmanöver und virtuosen Versteckspiele. Dazu zwingen sie die Mechanismen der Zensur ebenso wie die komplizierten Abhängigkeitsverhältnisse, die sie mit den Mächtigen verbinden. Wer riskant denken und Unerhörtes schreiben will, muss genau wissen, wie er andere dazu bringen kann, sich auf dieses Neue einzulassen – ohne dass sie es bemerkten. Keiner beherrschte diese Kunst besser als Denis Diderot.

Prof. Dr. Robert Fajen, geb. 1969; Studium der Romanistik und Germanistik an den Universitäten Würzburg, Nantes und Konstanz; 2001: Promotion mit einer mediävistischen Arbeit: „Die Lanze und die Feder. Untersuchungen zum ‚Livre du Chevalier errant‘ von Thomas III., Markgraf von Saluzzo“, erschienen 2003 im Reichert-Verlag und ausgezeichnet mit dem Elise-Richter-Preis des Deutschen Romanistenverbandes; 2005-2006 Stipendiat des Deutschen Studienzentrums; 2009: Habilitation mit einer Arbeit über die venezianische Literatur des 18 Jahrhunderts: „Die Verwandlung der Stadt. Venedig und die Literatur im 18. Jahrhundert“, erschienen 2013 bei Wilhelm Fink und 2015 mit dem Hugo Friedrich und Erich Köhler-Preis der Universität Freiburg i. Br. ausgezeichnet. Seit 2010 ist er Professor für französische und italienische Literaturwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, seit 2018 Dekan der Philosophischen Fakultät II.

15:35 ● Doppelcodierungen. Zeigen und Verdecken, Mythopoiesis und Bildforensik
Dr. Anselm Franke Leiter Abteilung Bildende Kunst und Film, Haus der Kulturen der Welt, Berlin

Eine Bestandsaufnahme aus der kuratorischen Praxis und Kommentar zur Krise der Bildwissenschaften entlang der Frage: Wie lässt sich das Verhältnis von Aby Warburg und Forensic Architecture beschreiben? Forensic Architecture nutzt die Möglichkeiten digitaler Daten um von Staaten ausgeübte Gewalt sichtbar und gerichtbar zu machen. Aby Warburg gelangen einige beeindruckende Rekonstruktionen der historischen Wanderstrassen von Ikonographie, zugleich aber war es ihm auch um die mythopoeitische Kraft von Bildern gelegen, um die Ikonologie „in statu nascendi“. Lässt sich der politische Raum zwischen diesen Bildfunktionen beschreiben?

Anselm Franke ist Leiter der Abteilung Bildende Kunst und Film am Haus der Kulturen der Welt, HKW Berlin. Zuletzt kuratierte er dort „Investigative Commons“ mit Forensic Architecture u.a., sowie die Gruppenausstellung „Illiberal Arts“ (mit Kerstin Stakemeier). Im Dezember organisiert er zusammen mit David Wengrow, Carolyn Christov-Bakargiev und Erhard Schüttpelz das internationale Symposium „Beneath Image and Script. Cosmogony and Conflict in Image Systems“ im Castello di Rivoli in Turin. 

17:00 ● Erscheinen und Verschwinden. Zum modernen Mythos der aufgeklärten Zauberei
Dr. Iris Dankemeyer Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Philosophie, BURG

Manipulation ist ein Beruf. Ablenkungsmanöver sind die Hauptbeschäftigung der Zauberei, Erscheinen und Verschwinden ihre zentralen Techniken. Die Kunst der Täuschung grenzt sich traditionell von der archaischen Magie ab, die Zauberer der bürgerlichen Epoche verstanden sich explizit als Aufklärer mit wissenschaftlichem Weltbild. Der Vortrag zeigt, wie die Zauberei zum Magiebegriff der Anthropologie beitrug und warum Fortschrittsglaube auch Aberglaube ist.

Iris Dankemeyer studierte Literatur, Philosophie und Soziologie in Hannover und Berlin. Sie promovierte mit einer Arbeit über Musik und Erotik und ist seit 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin für Philosophie an der Burg Kunsthochschule Giebichenstein Halle.

17:55 ● Stereophoner Werkstattbericht. Puschkin, der Fall Relotius und die kaukasische Schneefrau: Aus der Praxis des Entbergens
Alexander Smoltczyk Reporter, DER SPIEGEL und Maurice Weiss Fotograf, Agentur Ostkreuz

Die Reportage ist vollkommenes Kunstprodukt mit dem Anspruch auf Stimmigkeit mehr noch als Authentizität. Der Brief auf dem Tisch muss Geheimnis bleiben, man darf ihn zeigen, doch nicht öffnen. Wie umgehen mit Bilder- und Sprechverboten? Wie das Unsichtbare zeigen und die Spuren zu lesen verstehen, alles in der Maschinerie eines Referenzmediums?

Alexander Smoltczyk studierte Philosophie, Agrarökonomie und Volkswirtschaft in Berlin und Montpellier. Seit 1998 ist er Reporter beim Spiegel, arbeitete als Korrespondent in Paris, Rom, Abu Dhabi und jetzt in Lissabon. Maurice Weiss, geboren in Perpignan, ist Mitgründer der Fotografen-Agentur Ostkreuz. Beide arbeiten seit 30 Jahren als Reportage-Team zusammen, u.a. für taz, Wochenpost, geo, Zeitmagazin und vor allem für den Spiegel. Ihr Film „Endstation Bataclan“ wurde für den Grimme-Preis nominiert und mit dem evangelischen Medienpreis ausgezeichnet. Diverse Buchveröfftlichungen, zuletzt  „Vatikanistan“, „Ein Sommer wie seither kein anderer“, „Ken Adam – von Berlin nach Hollywood“.

18:50 ● Abschlussdiskussion

19:30 ● Ende der Tagung


31 Hurra Hurra x Prof. Dr. Sara Burkhardt

https://hurrahurra.podigee.io/36-sara-burkhardt


Ideen für zuhause #corona #stayingathome

 

Jeden Tag schicke ich den Kindern meines Bruders eine Idee, um die Familie beim Unterrichten und Spielen Zuhause in Zeiten von Corona zu unterstützen. Ich stelle sie jetzt auch hier ein:
Every day I send my brother’s children an idea, to support the family teaching and playing at home in times of corona. Here’s the collection so far:


„Sleepwalk“ und „Kunsterfahrung mit den Ohren“

Am 7. und 9. Januar gibt es die Möglichkeit, Vermittlungsprojekte von Studierenden der kunstpädagogischen Studiengänge der BURG in der Ausstellung „Sweet Dreams“ der Klasse Raetsch in der Burg Galerie zu erproben.

Dienstag, 7. Januar 2020
19-21 Uhr

„Sleepwalk“

Am Dienstag, dem 7. Januar, haben Sie abends die Möglichkeit, die Ausstellung „Sweet Dreams“ der Klasse Raetsch in Form eines „Sleepwalks“ zu erkunden.
Wandeln Sie mit uns durch die Räume: liegend, stehend, sitzend — gewohnte Blicke verlassend.
Ab 19 Uhr erwarten wir Sie mit Tee und einer Decke Gemütlichkeit im Foyer des Volksparks. Die Ausstellung ist für den „Sleepwalk“ bis 21 Uhr geöffnet.
Wir freuen uns auf einen traumhaften Abend!

Anne-Christin Bielig
Lydia Bogdan
Linn Pulsack

Der „Sleepwalk“ kann innerhalb der angegebenen Zeit jederzeit begonnen werden. Die Teilnahme am „Sleepwalk“ ist kostenfrei.

Ort: Burg Galerie im Volkspark, Schleifweg 8a

Donnerstag, 9. Januar 2020
12-19 Uhr

„Kunsterfahrung mit den Ohren“

Begeben Sie sich in die Ausstellung „Sweet Dreams“ der Klasse Raetsch und erfahren Sie den Raum nicht nur visuell. Um die Umgebung und die künstlerischen Arbeiten neu wahrzunehmen wird das klassische Format Audioguide umfunktioniert und das Hören zum Ausgangspunkt für eine etwas andere Kunsterfahrung.
Lassen Sie sich auf eine nicht erklärende Audiotour durch die Ausstellung ein und machen Sie neue Entdeckungen!

Die Teilnahme an der Audiotour ist kostenfrei. Die Audiotour kann innerhalb der angegebenen Zeit jederzeit begonnen werden, freie Audiogeräte vorausgesetzt.

Ort: Burg Galerie im Volkspark, Schleifweg 8a

Die Veranstaltungen sind Erprobungen im Rahmen des kunstpädagogischen Seminars „Ästhetische Erfahrung“ von Prof. Dr. Sara Burkhardt.


1.1.2020


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VERSUCH#2: WENIGER PLASTIK_putzmittel

Der Versuch geht weiter mit Putzmitteln.
Waschmittel für die Maschine und Feinwaschmittel für die Handwäsche kaufe ich im Unverpackt-Laden. Dort gibt es auch flüssige Handseife und Spüli. Die Plastikflaschen habe ich gesammelt angeschafft, sie ersetzen nach und nach die verbrauchten Plastikflaschen. Die aufgebrachten Markierungen und farbigen Deckel helfen, sie auseinanderzuhalten.
Toilettenpapier ist noch ein Problem, ich suche noch mit Papier verpackte Großpackungen. Das Toilettenpapier aus Bambus aus dem Unverpackt-Laden ist recht teuer  – was aber auch zu einem sparsameren Umgang damit führt.
Um die weiteren Putzmittel zu ersetzen gibt es Anleitungen im Netz, wie man aus Soda, Zitronensäure, Schmierseife, Alkohol, Natron etc. Mischungen herstellt, die den Kauf von Einzelputzmitteln weitgehend überflüssig machen. So zum Beispiel bei Manufactum oder smarticular.net.


VERSUCH#1: WENIGER PLASTIK_lebensmittel

Seit 10 Tagen versuche ich, keine Lebensmittel mehr zu kaufen, die in Plastik verpackt sind. Hier eine erste Bilanz.
Bei Milch und Yoghurt ist es einfach, der Bioladen ist fußläufig zu erreichen, dort gibt es beides in Glasflaschen, die ich leer auch wieder dorthin bringen kann.
Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nudeln, Zucker, Mehl, Gewürze usw. kaufe ich im Unverpackt-Laden, den erreiche ich gut mit dem Fahrrad. Verschließbare Behälter aus Glas gibt es inzwischen fast überall zu kaufen, selbst IKEA hat sein Sortiment darauf ausgerichtet.
Obst und Gemüse gibt es lose in Bioläden, Supermärkten und auf dem Markt, wiederverwendbare Beutel habe ich immer in der Handtasche.
Getränke gibt es durchgehend in Glasflaschen. Hilfreich sind große Glasflaschen mit Bügelverschluss, die halten Leitungswasser im Kühlschrank kalt und sehen auch gut aus.
In den Kühlregalen fallen die Mengen an Plastikverpackungen besonders auf. Käse gibt es an der Frischetheke, dort nehmen sie meist auch einen mitgebrachten Behälter entgegen. Mit Räucherlachs oder anderen Delikatessen geht das auch.
Ganzer Fisch wird frisch in Papier verpackt, auch hier wäre wahrscheinlich ein mitgebrachter Behälter möglich, wenn es sich um Filet handelt. Tiefkühlfisch ist in Folie verpackt, hier habe ich noch keine Alternative entdeckt (in anderen Ländern gibt es durchaus tiefgefrorenen Fisch und Meeresfrüchte zum selbst abfüllen in Kühltruhen). Also werde ich in Zukunft möglicherweise darauf verzichten.
Ich habe die kleine Plastikmülltonne in der Küche in den letzten 10 Tagen noch nicht ausleeren müssen, sie ist nicht einmal halb voll, aber auch der Hausmüll hat sich drastisch reduziert, da die meiste Verpackung direkt ins Altpapier wandert. Hinzu kommt die Nutzung des Bokashi-Eimers, alle organischen Küchenabfälle kommen direkt in den Kompostierer und werden entsprechend weiter verwertet.
Auffällig sind die Reaktionen an Käse- und Frischetheken – es entwickeln sich Gespräche, häufig muss ich aber regelrecht darauf bestehen, dass ich keine Verpackung möchte oder Papier ausreicht.
Schön ist es, dass ich beim Kaffeeladen im Hauptbahnhof für die Nutzung meines mitgebrachten To-Go-Kaffeebechers aus Porzellan Rabatt bekomme, weil ich den Papp-Kaffeebecher nicht nutze – das gefällt mir.

 


KUNST + UNTERRICHT: GÄRTEN

In dieser Ausgabe von KUNST+UNTERRICHT werden Zugänge zum Themenfeld Gärten im Kunstunterricht vorgestellt.
Das Heft bezieht sich dabei auf aktuelle Entwicklungen, die auf ein verändertes Verständnis von „Garten“ hindeuten: Der Garten wird als ein Prinzip begriffen, das sich in alle Lebensbereiche ausdehnt. Gärten sind nicht mehr stationär und an Besitz gebunden, Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum werden zunehmend aufgehoben. So bilden Gärten als Gegenstand von Kunstunterricht die Grundlage einer Auseinandersetzung mit Lebensraumgestaltung und damit Möglichkeiten einer Sensibilisierung für Materialität, Farbigkeit, Formen, Anordnungen und Kontrasten vor Ort.
Ein Garten ist immer auch ein Bild, welches durchschritten wird – so ist die Anlage eines Gartens verschiedenen Gestaltungsprinzipien unterworfen. Die Kenntnis solcher Prinzipien führt im Kontext von Kunstunterricht zu eigenen gestalterischen Entwürfen, wie auch zur Reflexion unseres Verhältnisses zur Natur. Die sinnliche Erfahrbarkeit von Gärten ist ebenso Schwerpunkt dieses Heftes wie die bildnerische Produktion und die Entwicklung kritischer ästhetischer Urteilskraft.
Gärten verknüpfen Konzeptionen aus Kunst, Design und Architektur mit gesellschaftspolitischen Fragen. Dies wird in den umfangreichen MATERIAL-Teilen des Heftes sichtbar. Die MATERIAL-Seiten bieten Impulse für Beobachtungen im direkten Lebensumfeld, Fragen der Verantwortung für die Umwelt, Gestaltungsfragen sowie die Reflexion gesellschaftlicher Veränderungen.

Dem Heft beigelegt ist das von Anna-Maria Schirmer erarbeitete Werkstattheft „ZEICHNEN & MALEN Schritt für Schritt“. Dabei handelt es sich um ein Selbstlernmaterial für Schülerinnen und Schüler mit zahlrecihen Übungen und Aufgaben zum Thema „Pflanzen und kleine Tiere kolorieren“. Die Motive sind inspiriert von Werken Maria Sibylla Merians.


UNBEHAGEN UND VERSUCHUNG

Reinhold Engberding & Peter Nikolaus Heikenwälder

18. Mai – 15. Juni 2019

Finissage und die Künstler im Gespräch
mit Prof. Dr. Sara Burkhardt,
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Freitag, 14. Juni 2019, 18 Uhr

Ort
4D Projektort des BBK LEIPZIG e.V.
Tapetenwerk Leipzig, Haus B
Lützner Straße 91
04177 Leipzig

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Samstag 14-18 Uhr