Frisch erschienen: Wunderkammer(n)

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Im Seminar „Assoziationsraum Wunderkammer. Vermittlungskonzepte in Theorie und Praxis“ von Sara Burkhardt wurden auf der Basis aktueller Theorien und kunstdidaktischer Ansätze Vermittlungskonzepte für die Arbeit vor Ort erarbeitet. Die künstlerischen Arbeiten in der Ausstellung und die historische Wunderkammer als Bezugsraum wurden zum Ausgangspunkt für die Konzeption von Vermittlungsformaten. Ziel war es, anhand unterschiedlicher Methoden Zugänge zu den Werken der zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler zu schaffen, aber auch Verknüpfungen zur historischen Wunderkammer herzustellen

Unterschiedliche Handlungsweisen wurden von den Studierenden ins Zentrum ihrer jeweiligen Vermittlungssituationen gerückt, es ging um das Imaginieren, das Erfinden von Geschichten oder das Präsentieren eigener Assoziationsräume.

Im Workshop „Assoziationsraum Wunderkammer. Erkundungen – Bildzugänge – Vermittlung“ von Antje Dudek entwickelten Studierende Konzepte für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern. Exemplarisch anhand einiger Ausstellungsstücke wurden Bildzugänge in der Gruppe erprobt.

In der anschließenden Auseinandersetzung mit den gewählten Werken vertieften die Studierenden ihre Vertrautheit mit verschiedenen schreibenden, (auf-)zeichnenden oder dialogischen Bildzugängen. So entwickelten sie eigene Zugangsmethoden, auf denen Vermittlungskonzepte aufbauten, die erprobt und diskutiert wurden. Schülergruppen einer 7. Klasse des Georg-Cantor-Gymnasiums Halle streiften in einer individualisierten Führung durch die Ausstellung, führten einander blind durch die historische Wunderkammer oder entwickelten Geschichten zu einzelnen Werken.

Den Abschluss der Publikation bildet ein Text des Kunstpädagogen Mario Urlaß, basierend auf einem Vortrag, den er auf dem Symposium „Wundersame Erkenntnismodelle“ im Juni 2015 im Volkspark Halle hielt. Urlaß beleuchtet darin die Rolle des Staunens und Wunderns in kunstpädagogischen und künstlerischen Prozessen. Er schlägt eine Verbindung zwischen den Erfahrungen und Erkenntnissen, zu denen Schülerinnen und Schüler im Unterricht angeregt werden und den Prozessen, die Studierende im Studium durchlaufen.

Mit Beiträgen von:
Sara Burkhardt, Laura Drolshagen, Antje Dudek, Kristina Kramer, Therese Lippold, Marie Newid, Daniel Persy, Berit Scheerer, Vanessa Schmitz, Matthias Schützelt und Mario Urlaß

Die Reihe Kunstpädagogische Knotenpunkte gibt Einblick in Lehre und Forschung der Professur für Didaktik der bildenden Kunst an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Die einzelnen Hefte beinhalten Texte und Dokumentationen von Studierenden und Lehrenden sowie Gastbeiträge von Kunstpädagoginnen und Kunstpädagogen. Sie sollen Impulse für Vermittlungspraxis und didaktische Überlegungen geben sowie theoretische Verknüpfungen herstellen.

Die Reihe wird herausgegeben von Sara Burkhardt und Antje Dudek.

Kunstpädagogische Knotenpunkte 01 – Wunderkammer(n)
Verlag der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Saale)

ISBN
978-3-86019-124-8

Herausgeberinnen
Sara Burkhardt, Antje Dudek, Marie Newid

Gestaltung
Franziska Stübgen

Format / Umfang
16 × 22,5 cm, 98 Seiten, farbige Abbildungen, geheftet

Sprache
Deutsch

Preis
5 Euro, ermäßigt 3 Euro

Erscheinungsjahr
2016

Mehr Informationen und Bestellmöglichkeit: http://www.burg-halle.de/kunst/kunstpaedagogik-erziehung/kunst-lehramt-kunstpaedagogik/publikationen/publication/kunstpaedagogische-knotenpunkte-01-wunderkammern/


Symposium: Wundersame Erkenntnismodelle

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Wundersame Erkenntnismodelle
Die Wunderkammer als Leitbild für die Vision einer Kunsthochschule?

Eine Veranstaltung mit KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen, konzipiert von Nike Bätzner mit Sara Burkhardt, Antje Dudek, Dietmar Kohler.
5. und 6. Juni 2015
Volkspark, Schleifweg 8a, 06108 Halle/Saale

Die Wunderkammer ist ein ganzheitliches Modell der Welterfassung. Sie vereint Naturalia und Artificialia, Exotica und Mirabilia, Scientifica sowie Realia, Materialien und Geschichten, gezielte Recherche und Finderglück. Sie ist aber nicht nur ein Ort der Versammlung von Dingen und ihrer Ordnung, sondern bietet auch der Forschung und dem Dialog über die Dingkonstellationen ein Feld. In ihr spiegeln sich die Analogiesetzung von Makro- und Mikrokosmos und ein globaler Blick, dessen Hintergrund Missionstätigkeit und Kolonialgeschichte bilden. Im Zuge von Aufklärung und Rationalismus wurden die Bestände der Wunderkammern kategorisiert und den Sammlungen der seit dem 18. Jahrhundert entstehenden Spezialmuseen zugeteilt. In den letzten Jahren nun wurde die Wunderkammer vereinzelt und auf unterschiedliche Weise als ein Muster für Ausstellungskonzepte aktualisiert. Könnten ihre Prinzipien nicht nur für Präsentationen von Dingen und Kunstwerken, sondern auch für Lehrkonzepte und Erkenntnismodelle reaktiviert werden?
Das Symposium fragt danach, welche realen und utopischen Modelle der Welterkenntnis im Allgemeinen und für eine Kunsthochschule im Besonderen heute produktiv zu machen wären. Könnte die Wunderkammer als Grundlage für den Entwurf einer Kunsthochschule gelten, deren experimentelle künstlerische Forschung auf Beobachtung, Materialrecherche, Form- und Projektentwicklung basiert, für eine Schule, die durch Neugierde, Zweifel, Versuch und Realisierungsprozesse bestimmt wird? Wäre sie als Denkfolie zu nutzen für eine Institution jenseits eurozentrischer Fokussierungen und Systematisierungen, die nach wie vor mit der Trennung der Disziplinen und der diese begleitenden Gewerke einher gehen? Inwiefern ließe sich die für die Wunderkammern kennzeichnende ars combinatoria heute weiter denken im Sinne einer transdisziplinären Vernetzung?

Das Symposium steht in Zusammenhang mit der Ausstellung Assoziationsraum Wunderkammer. Zeitgenössische Künste zur Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen zu Halle, einem Kooperationsprojekt zwischen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und den Franckeschen Stiftungen zu Halle. Diese wird anlässlich des 100. Jubiläums der BURG vom 24. April bis 16. August 2015 in der pietistischen Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen sowie der Ausstellungsetage im Historischen Waisenhaus am Franckeplatz 1 gezeigt.

100.burg-halle.de
www.francke-halle.de

Programm
5. Juni 2015
Franckeschen Stiftungen zu Halle, Historisches Waisenhaus, Franckeplatz 1

11:00  Rundgang durch die Ausstellung Assoziationsraum Wunderkammer  in den Franckeschen Stiftungen, Führung: Nike Bätzner, Kuratorin der Ausstellung

Vorträge und Diskussionen im Volkspark Halle, Schleifweg 8a

14:00  Nike Bätzner (Halle): Studiolo – Wunderkammer – Hochschule: Orte einer ars combinatoria?

14:30  Wolfgang Ullrich (Leipzig): Roland Barthes als Koralle – oder: Eine Kritik des Assoziierens

15:30  Donna Roberts (Helsinki): The Case of Jan Švankmajer: Imagining, Touching, and Collecting

16:15  Ingo Uhlig (Halle/Münster): Universalität – epistemisch/ästhetisch

17:15  Dietmar Rübel (Dresden): Hanne Darbovens Thesauros am Burgberg. Ein Schatzhaus materieller und immaterieller Zeugnisse

18:00  cominghomefunktion live aus Kasachstan

18:15  Abschlussdiskussion

6. Juni 2015
Führung, Vorträge und Diskussionen im Volkspark Halle, Schleifweg 8a

10:00  Rundgang durch die Ausstellung Professoren und Professorinnen der BURG aus Kunst und Design antizipieren, antworten, bauen… im Volkspark, Führung: Jule Reuter, Kuratorin der Ausstellung

11:15  Mario Urlaß (Heidelberg): Außergewöhnlich. Vom Staunen und Wundern in künstlerischen Bildungsprozessen

12:00  Sara Burkhardt (Halle): Die Kammer öffnen. Verschiebungen, Verflechtungen und Formate der Vermittlung

14:00  Ulrike Grossarth (Dresden): Eine Akademie in Lublin

14:45  Benjamin Meyer-Krahmer (Leipzig): „Konstellationen von Artefakten“ – Der Essay als Erkenntnismodell zwischen Kunst und Wissenschaft

16:15  Dietmar Kohler (Halle): Fragen statt Antworten. Kunstgeschichtliche Lehre als Realienunterricht

16:45  Sebastian Löwe (Berlin): Das Unbehagen der Welterklärung. Möglichkeiten und Grenzen von herrschaftskritischem Wissen im Rahmen des transdisziplinären Kunstprojekts ufo-Universität

17:15  Abschlussdiskussion