VERSUCH#2: WENIGER PLASTIK_putzmittel

Der Versuch geht weiter mit Putzmitteln.
Waschmittel für die Maschine und Feinwaschmittel für die Handwäsche kaufe ich im Unverpackt-Laden. Dort gibt es auch flüssige Handseife und Spüli. Die Plastikflaschen habe ich gesammelt angeschafft, sie ersetzen nach und nach die verbrauchten Plastikflaschen. Die aufgebrachten Markierungen und farbigen Deckel helfen, sie auseinanderzuhalten.
Toilettenpapier ist noch ein Problem, ich suche noch mit Papier verpackte Großpackungen. Das Toilettenpapier aus Bambus aus dem Unverpackt-Laden ist recht teuer  – was aber auch zu einem sparsameren Umgang damit führt.
Um die weiteren Putzmittel zu ersetzen gibt es Anleitungen im Netz, wie man aus Soda, Zitronensäure, Schmierseife, Alkohol, Natron etc. Mischungen herstellt, die den Kauf von Einzelputzmitteln weitgehend überflüssig machen. So zum Beispiel bei Manufactum oder smarticular.net.


VERSUCH#1: WENIGER PLASTIK_lebensmittel

Seit 10 Tagen versuche ich, keine Lebensmittel mehr zu kaufen, die in Plastik verpackt sind. Hier eine erste Bilanz.
Bei Milch und Yoghurt ist es einfach, der Bioladen ist fußläufig zu erreichen, dort gibt es beides in Glasflaschen, die ich leer auch wieder dorthin bringen kann.
Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nudeln, Zucker, Mehl, Gewürze usw. kaufe ich im Unverpackt-Laden, den erreiche ich gut mit dem Fahrrad. Verschließbare Behälter aus Glas gibt es inzwischen fast überall zu kaufen, selbst IKEA hat sein Sortiment darauf ausgerichtet.
Obst und Gemüse gibt es lose in Bioläden, Supermärkten und auf dem Markt, wiederverwendbare Beutel habe ich immer in der Handtasche.
Getränke gibt es durchgehend in Glasflaschen. Hilfreich sind große Glasflaschen mit Bügelverschluss, die halten Leitungswasser im Kühlschrank kalt und sehen auch gut aus.
In den Kühlregalen fallen die Mengen an Plastikverpackungen besonders auf. Käse gibt es an der Frischetheke, dort nehmen sie meist auch einen mitgebrachten Behälter entgegen. Mit Räucherlachs oder anderen Delikatessen geht das auch.
Ganzer Fisch wird frisch in Papier verpackt, auch hier wäre wahrscheinlich ein mitgebrachter Behälter möglich, wenn es sich um Filet handelt. Tiefkühlfisch ist in Folie verpackt, hier habe ich noch keine Alternative entdeckt (in anderen Ländern gibt es durchaus tiefgefrorenen Fisch und Meeresfrüchte zum selbst abfüllen in Kühltruhen). Also werde ich in Zukunft möglicherweise darauf verzichten.
Ich habe die kleine Plastikmülltonne in der Küche in den letzten 10 Tagen noch nicht ausleeren müssen, sie ist nicht einmal halb voll, aber auch der Hausmüll hat sich drastisch reduziert, da die meiste Verpackung direkt ins Altpapier wandert. Hinzu kommt die Nutzung des Bokashi-Eimers, alle organischen Küchenabfälle kommen direkt in den Kompostierer und werden entsprechend weiter verwertet.
Auffällig sind die Reaktionen an Käse- und Frischetheken – es entwickeln sich Gespräche, häufig muss ich aber regelrecht darauf bestehen, dass ich keine Verpackung möchte oder Papier ausreicht.
Schön ist es, dass ich beim Kaffeeladen im Hauptbahnhof für die Nutzung meines mitgebrachten To-Go-Kaffeebechers aus Porzellan Rabatt bekomme, weil ich den Papp-Kaffeebecher nicht nutze – das gefällt mir.

 


In Halle in die Oper gehen. Auch in Zukunft.

Ich mag diese Oper. Ich mag die Zumutungen, die Überraschungen, die Grenzüberschreitungen. Ich freue mich über die wunderbare musikalische Leistung der Staatskapelle und die hervorragenden Sängerinnen und Sänger, Ensemble und Chor. Mit der Wahl von Florian Lutz zum Intendanten der Oper hat sich der Aufsichtrat der TOOH für ein innovatives und diskursives Programm eines Teams entschieden. 
Mit künstlerischer Vision und Leidenschaft wird in Halle seit 2016 an einer Oper der Gegenwart gearbeitet, die sich in einem intensivem Austausch mit den Menschen der Stadt und der Region befindet und die mit einem vielfältigen Angebot auf eine sich wandelnde Stadtgesellschaft reagiert. Hierzu gehören experimentelle Formate genauso wie Inszenierungen für das breite Publikum und erstklassige Gastspiele.

Diese Oper besitzt überregionale Strahlkraft und sie sollte diese aufgrund ihrer künstlerischen Qualität und ihres Auslotens von Möglichkeiten weiter ausbauen können. Eine zu frühe Entscheidung des Aufsichtsrates über einen personellen Wechsel in der Opernleitung könnte einen Rückschritt bedeuten und Chancen vergeben. Die Raumbühne ist nicht nur ein spektakuläres Experiment, Sebastian Hannak erhielt für sein Konzept 2017 auch den renommierten Deutschen Theaterpreis „Der Faust“.  Im September 2018 schrieb „Die Zeit“, dass die Oper Halle „eines der aufregendsten Musiktheaterhäuser Deutschlands“ sei. Und bei der Jahresbilanz der Autorinnen und Autoren der DEUTSCHEN BÜHNE wurde die Oper Halle in der Kategorie „Abseits der Zentren“ erstplatziert. Joachim Lange schreibt: „Auch im zweiten Jahr seiner Intendanz setzten Florian Lutz und sein Team an der Oper Halle den Erneuerungskurs fort. Dazu gehören gegenwartsbezogene und ästhetisch ungewöhnliche Sichtweisen auf Repertoirestücke bis zur wiederentdeckten Händel-Oper, eine jährliche Uraufführung, kleinere Formen, die Zusammenarbeit mit dem Schauspiel vor Ort (,Dreigroschenoper‘) und eine konsequente Hinwendung zu allen Gruppen des Publikums. Und das trotz anhaltender Konflikte mit den installierten Strukturen.“

Das Operncafé hat das Potenzial, zu einem offenen Wohnzimmer der Hallenserinnen und Hallenser zu werden. Es ist ein Treffpunkt, ein Ort der Diskussion und des Austausches, Ausstellungsraum und Bühne für Gäste und Opernmacher/-innen zugleich.
Bei einer Diskussionsveranstaltung in der Oper wurde 2017 gefragt „Welche Oper braucht Halle?“. Eine gute Frage, die gerne immer wieder gestellt werden kann – und auf die immer wieder gemeinsam neue Antworten gefunden werden können. Der Saal war voll, das Publikum engagiert in Lob und Kritik. Eine wunderbar lebendige Diskussion, die konkrete Änderungen zur Folge hatte, ein konstruktiver Austausch zwischen Opernleitung und Publikum. Die Oper zeigte sich als eine Institution, die in der Stadt verankert ist, die sich auf Wünsche einlässt, aber auch Setzungen macht und durchaus provozieren kann und soll.

Die Oper Halle ist seit 2018 fester Kooperationspartner der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, diverse gemeinsame Aktivitäten zielen darauf, auch ein junges Publikum in die Oper zu bringen. Die traditionsreichen Kulturinstitutionen, die in Halle, aber jeweils auch weit darüber hinaus wirken, können auf diese Weise intensiv Fragen aus Theorie und Praxis ideal miteinander verbinden und für Publikum sowie Forschung und Lehre sichtbar machen.

Die Intendanten von Opern- und Theaterhäusern müssen souverän entscheiden können, sie sind allein verantwortlich für künstlerische Entscheidungen. Das führt natürlich zu Diskussionen – und das ist gut so. Kunst und Kultur bedeutet Reibung. Florian Lutz und sein Team an der Oper Halle sollten die Chance erhalten, ihre begonnene Arbeit weiter zu führen. Dies gilt auch für Matthias Brenner, den künstlerischen Leiter des neuen theaters und des Thalia Theaters. Die Arbeit aller Beteiligten benötigt Zeit und größtmögliche Gestaltungsfreiheit. Kulturelle Insitutionen werden, sie sind nicht. Wandel schmerzt, bedarf aber auch der Diskussion und produktiver Weiterentwicklungen. Diese gilt es zu begleiten, anstatt sie über einen zu frühen Personalwechsel zu stoppen.

Nachtrag
Am 22. Februar hat der Aufsichtsrat der TOOH beschlossen, den Vertrag des Opernintendanten Florian Lutz nicht zu verlängern, so dass er spätestens 2021 gehen muss. Die Stimmung bei der gestrigen Premiere von „Ariadne auf Naxos“ in einer Inszenierung von Paul-Georg Dietrich war entsprechend durchbrochen – Jubel für die hervorragende Aufführung, traurige Benommenheit und Wut aufgrund der negativen Nachricht, die kurz vor der Premiere öffentlich wurde.

 


Jour Fixe: Zwischen allen Stühlen

Foto: Sara Burkhardt

Am 3. Juli 2018, 18 Uhr spricht Lars Ebert, Programmdirektor der Amsterdamer Kulturstiftung Castrum Peregrini, im Rahmen des Jour Fixe an der BURG über seine Arbeit und zeigt anhand des Begriffes der Partizipation die Spannungen zwischen internationaler und lokaler Vernetzung auf.

Privat oder öffentlich? Lokal oder international? Bildung, Kunst oder Forschung? Lars Ebert lebt und arbeitet zwischen den Bereichen. Als Programmdirektor der Kulturstiftung Castrum Peregrini arbeitet er mit Künstler/-innen und Wissenschaftler/-innen zusammen, die versuchen, das kulturelle Gedächtnis unserer Gesellschaft zu befragen. Das Stiftungsgebäude ist auch das Zuhause von Lars Ebert, das private und das öffentliche Wirken fließen hier ineinander.

Diese lokale Perspektive steht in einem Spannungsverhältnis zu seiner Arbeit im Netzwerk ELIA – European League of Institutes of the Arts, in dem sich Kunsthochschulen international organisieren. Dieses Spannungsverhältnis bietet Chancen. Lars Ebert zeigt am Beispiel des Projektes European Academy of Participation auf, wie die Zusammenarbeit von Kultur- und Bildungsinstitutionen auf internationaler Ebene überraschende Perspektiven schaffen kann.

Die Veranstaltung findet am Dienstag, 3. Juli 2018 um 18 Uhr im Seminarraum in der Burg Bibliothek, Neuwerk 7, 06108 Halle (Saale) statt. Gäste sind willkommen. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.


Halle im Januar

Januar


Gestern in Halle: Aktionstag des BDK


21. MAI: AKTIONSTAG GEGEN DEN ABBAU DES FACHES KUNST

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!!!!!!!!KOMMT ALLE!!!!!!!!
Aktion des BDK gegen den Abbau des Faches Kunst!

Schüler/-innen+Student/-innen+Lehrer/-innen schreiten und tanzen in Halle um den schwarz eingepackten Händel. Mitgebrachte eigene großformatige Kunstwerke werden zerrissen und in schwarzen Plastiksäcken mit der Aufschrift „Kulturbeutel“ entsorgt, unterlegt wird die Aktion mit Gesängen und Kriegstänzen. Zieht euch SCHWARZ an, legt KRIEGSBEMALUNG an und kommt am Mittwoch 21. MAI um 17 UHR zum HÄNDEL-DENKMAL!

Im Kunstunterricht werden tagtäglich Fantasie, Ideenreichtum und Experimentierfähigkeit ausgebildet, hier kommt die oft beschworene und gesellschaftlich so wichtige Schlüsselkompetenz der individuellen Kreativität besonders zum Tragen!

Kunstunterricht ist de facto der einzige Ort, an dem diese Säule der „Kulturellen Bildung“ alle Kinder und Jugendliche – unabhängig von ihrer sozialen, ökonomischen oder kulturellen Herkunft – in hoher Qualität erreicht!

Diesen Tatsachen stehen jedoch massive Fehlentwicklungen in der Bildungspolitik gegenüber: Regulärer Kunstunterricht wird über alle Jahrgangsstufen und Bundesländer hinweg aufgrund von Personalmangel seit Jahren marginalisiert, abgeschafft, das Fach Kunst in musischen Fächerverbünden abgewickelt oder in den nachmittäglichen Ganztagsbetrieb abgeschoben.

Vor allem im elementaren Bereich, in den Grundschulen, aber auch in vielen anderen Schulformen, wird das Fach bundesweit zunehmend fachfremd unterrichtet; Studiengänge, die dem Nachwuchsmangel in allen Altersstufen Einhalt gebieten könnten, werden geschlossen, freiwerdende Stellen nicht wieder besetzt.

Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit der Bildungsrepublik und Ideenschmiede Deutschland sind dies verhängnisvolle Fehlentwicklungen, die auch durch das befristete Engagement freier Künstler oder Kulturschaffender an Schulen nur notdürftig und kurzfristig abgefedert werden können, da diese Gruppen eine pädagogisch kompetente, professionelle Auseinandersetzung mit Kunst und den mit ihr verbundenen angewandten Bereichen im Schulunterricht nur teilweise leisten können.

Auch außerschulisch stattfindende kulturelle Aktivitäten mögen als Vertiefungen und Ergänzungen durchaus bereichernd sein, sie können und dürfen den regulären Kunstunterricht aber keinesfalls ersetzen!

Mit seinem bundesweiten Aktionstag am 21. Mai wird der BDK in seinen Landesverbänden eine Vielzahl von lokalen Protestaktionen durchführen, die vor allem auf die Aufmerksamkeit von Bildungspolitiker/-innen, Eltern und Kolleg/-innen abzielen.

Gegen die schrittweise Kürzung und den Abbau des Faches Kunst an Schulen! Für 2 Stunden Kunst pro Woche – für alle Schülerinnen und Schüler!

>>> Die Zukunft der Kunstpädagogik im Blick