Semesteranfang

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Das Wintersemester hat begonnen.
Einführungsseminar mit 41 Ersemestlern. Zwei Tutor/-innen unterstützen mich. Die Studierenden gucken irritiert, weil wir im Keller sind – mit Gittern vor den Fenstern. Eine kaputte Neonröhre flackert und muss herausgedreht werden. Es gibt nicht genügend Tische. Wir holen die mit den wackeligen Beinen von nebenan. NVA-Tische. Stühle sind genügend da, aber nicht alle Studierenden kommen pünktlich. Diejenigen, die zu spät sind, müssen aus dem Nebenraum Klappstühle holen. Unruhe.
Dann sitzen sie da und sehen mich an – ich erzähle ihnen vom Studium, von dem, was wir im Seminar vorhaben, lese etwas über „4-dimensionales Design“ von Paul Thek aus den 70er-Jahren vor. „Was braucht diese Universität? Diese Stadt? Dieses Land? Sie?“
Dann Organisatorisches. Leistungspunkte. Abläufe.
Anna und Daniel sind dran, die Tutor/-innen. Ich gehe weg. Anna und Daniel machen Übungen mit den Studierenden, locken etwas aus ihnen heraus, bringen sie dazu, seltsame Dinge zu tun:

  • Errichtet zu zweit einen Turm aus Stühlen.
  • Stellt euch folgende Situation vor: Die Erdanziehung geht nicht mehr vom Fußboden aus, sondern von der Wand. Wie sieht das aus? Nutzt euch selbst, Gegenstände, Taschen, Tische, Stühle.
  • Stellt einer Person eine Frage, die euch interessiert.
    Schreibt die Antwort auf Kreppband und klebt es demjenigen an sein Shirt bzw. an die Hose.
  • Entwerft die menschlichen Genitalien neu, sodass sie gerechter sein könnten.
  • Was ist für euch guter Kunstunterricht?
    Diskutiert in der Gruppe und klebt eure Ideen an diese Wand.
  • Nutzt eure Körper für eine gemeinsame Gestaltung einer amorphen Figur und haltet diese für eine Minute.
  • Formuliert eure Erwartungen und Wünsche an das kunstpädagogische Studium auf der analogen Twitter-Rolle.
  • Führt gemeinsam eine raumgreifende Handlung in slow-motion durch.
  • Fotografiert euch samt eurer Namen. Gerne auch als Kleingruppe. Seid kreativ, lustig, mutig, ernst, nachdenklich, hungrig, bunt…
  • Welche Künstler/-innen sind euch noch aus eurem Kunstunterricht präsent? Schreibt sie auf.
  • Vermesst den Raum ohne klassische Messgeräte. Seid mutig. Findet verschiedene Ansätze.

Nach einer Stunde ohne mich komme ich wieder dazu. Die Gruppe ist mitten drin. Sie sprechen gerade über das, was sie in den Übungen erlebt haben. Reflektieren. Setzen es in Beziehung zu möglichem Kunstunterricht.

Ich darf nochmal ran. Wir treten an die Wand, auf der die Vorstellungen von gutem Kunstunterricht gesammelt sind. Was steht da? Wir lesen es gemeinsam. Sprechen darüber. Überlegen, was es noch sein könnte. Warum was wichtig ist. Nach 3 Stunden sind die Studierenden immer noch voll dabei. Sie sind interessiert und lassen sich ein. Aber dann ist es auch gut und wir belassen es dabei. Drei volle gemeinsame erste Stunden. Ich freu mich auf nächste Woche! Bis dahin sind auch die Tischbeine repariert, der Hausmeister ist dran, auch die 7 kaputten Neonröhren sollen ausgewechselt werden.