CYNETART 2012


So sah es am Donnerstag aus, das Festspielhaus Hellerau, zur Eröffnung der CYNETART, des Festivals computergestützter Kunst in Dresden. Leise begann es, geradezu vorsichtig. Schüchtern drang das Publikum in die Räume vor, unternahm erste Kontaktaufnahmen mit der Skulptur von Kerstin Ergenzinger, „Rotes Rauschen“. Lebendig wirkt das Ding, das da im Raum hängt, groß und schwarz und gummiartig wie ein Wal. Es scheint auf die BewEgungen der Besucher/-innen zu reagieren – oder auf die Stimmen? Schnell reden wir über „ihn“, sprechen über „das Wesen“ als wäre es nicht nur ein Stück Material, eine kinetische Skulptur.
Die „Wellenfelder“ von Julius Stahl sehen aus wie ein Objekt, Felder aus Drähten bilden ein spitziges Gegenüber. Beim Herantreten wird deutlich, dass sie sich bewegen, schwingen, doch warum? Von einem Besucher lerne ich, dass dies aufgrund von nicht hörbaren Klängen geschieht, von Niederfrequenztönen, die die Drähte in Schwingungen versetzen. Für das menschliche Ohr sind diese Töne nicht vernehmbar.
Und dann noch „Hu.M.C.C.“ von Maja Smjekar – ein Yoghurt, hergestellt aus den Enzymen der Künstlerin, hochtechnologisch, zukünftiger Nahrungsmittelknappheit entgegenwirkend. In einem Kühlschrank befinden sich Töpfchen mit der Zukunftsvision, zum Probieren. Vorher muss der Testende ein Formular unterschreiben, dass er auf eigene Gefahr probiert – ein Scherz? Fallen wir wirklich darauf rein? Oder geht das? Gibt es das schon? Kann man das machen? Darf man das?

Es wurde dann doch noch laut, später, mit dem Beat von Moritz Simon Geists Musikcomputer.

Julius Stahl: „Wellenfelder“ (2012)

Kerstin Ergenzinger: „Rotes Rauschen“ (2012)